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Text | Sueddeutschezeitung

Zweidimensionale Skulpturen in der „Box 33“Die Dualität der Dinge.

Simon James ist in seinen Bildern auf der Suche nach dem Gleichgewicht. Ismaning.

Es ist nicht zu leugnen: Praktisch alle Malerei beruht auf dem Spiel von Warm und Kalt. Jede Farbe besitzt eine Farbtemperatur. Der Künstler bedient sich dieser Wirkung, um Farben in Worte zu kleiden. Der Hell-Dunkel-Kontrast ist eine weitere Form, Farben in Schwingungen zu bringen. Der in England geborene Künstler Simon James nützt die natürliche Wirkung der Farben und das Spiel der Kontraste. Grundlegend ist für ihn der Umgang mit der Farbe weiß. „Weiß ist die vollkommenste helle Farbe, schwarz die vollkommenste Dunkelfarbe, dazwischen liegt die gesamte Farbenendlichkeit, Farbschritte also, die heller als Schwarz und dunkler als Weiß sind“. Die Farbenlehre Ostwalds mag auch Grundlage von Simon James sein, denn er bewegt sich in seinen „Skulpturen“ innerhalb diese Farbschemas.

Bilder als „Skulpturen“ Die Farbe Weiß ist Grundlage. Kreide, Leim und weiße Pigmente werden als untere Schicht auf Holz aufgetragen. Danach folgt Farbschicht um Farbschicht. Sukzessive arbeitet sich dann Simon James zurück. Er schleift die Schichten wieder ab. Es entstehen Erhebungen, Löcher, Risse und ineinander verwobene Farbteppiche. Skulpturen nennt James seine Bilder- Sequenz „The white Series“, die derzeit in der Box 33 in Ismaning zu sehen ist. Auch deshalb, weil sie für ihn berührbare, strukturierte Oberflächen haben. „Man muss diese Bilder berühren, sonst sprechen sie nicht“, erklärt er. Tatsächlich offenbart sich die Dichte des Bildes erst, wenn man die Hand über die Oberfläche streichen lässt. Struktur und Farbe verschmelzen dann zu einer Symbiose, das Prinzip der Dualität, das James mit seinen „Skulpturen“verfolgt, wird nachvollziehbar. Vertauschbarkeit und Gegensätzlichkeit – für Simon James ist das auch gleichbedeutend mit „Gleichgewicht“. Rostbraun und Blau stehen in seinem „Bild“ Equalibrium in einem harmonischen Verhältnis.

Keine Farbe scheint das Übergewicht zu haben, kein Kontrast stört. Gleichbleibende Harmonie und breite Flächigkeit prägen das „Bild“. Überraschung, auch das ist ein Element, mit dem Simon James arbeitet. Beim Abschleifen der verschiedenen Schichten ist nichts vorhersehbar. „Ich kann keine Strukturen oder Formen vorausplanen. Das Bild entsteht während des Arbeitsprozesses. Gefällt mir der Untergrund, die Form, dann belasse ich es dabei, gefällt es mir nicht, schleife ich solange weiter, bis ich das Gefühl habe, es ist gut so“, erklärt James.

Die Farbe Weiß ist seine Leitfarbe – und so ist es auch kein Wunder, dass er ein Bild ganz in Weiß poliert hat. Die Oberfläche reflektiert Licht von außen und auch Farben. Der grüne Baum vor dem Fenster transportiert die Farbe auch auf das weiße Bild. Schemen entstehen, Reflexionen – das Bild spricht seine eigene Sprache, facettenreich und expressiv. Genau das will Simon James erreichen: Bilder leben nur dann, wenn sie variabel erscheinen, sich eigene Empfindungen mit den Vorgaben von Farbe, Form und Raum verbinden. Bei den „Skulpturen“ von Simon James gelingt das – aber nur wenn man sich Zeit nimmt, dem Seelenleben der Bilder nachzuspüren.

NICOLE GRANGER
Ausstellung „The white Series"

Simon James is looking for balance in his pictures. Ismaning.

There is no denying it: practically all painting is based on the play of warm and cold. Each color has a color temperature. The artist uses this effect to clothe colors in words. The light-dark contrast is another way of making colors vibrate. The English-born artist Simon James uses the natural effect of the colors and the play of contrasts. For him, dealing with the color white is fundamental. "White is the most perfect light color, black is the most perfect dark color, in between is the entire color fineness, that is, color steps that are lighter than black and darker than white". Ostwald's color theory may also be the basis of Simon James, because in his “sculptures” he moves within these color schemes.

Images as “sculptures” The color white is the basis. Chalk, glue and white pigments are applied to the bottom layer of wood. This is followed by layer of paint after layer of paint. Simon James then gradually works his way back. He grinds the layers off again. Elevations, holes, cracks and interwoven color carpets are created. James calls his picture sequence “The white Series” sculptures, which can currently be seen in Box 33 in Ismaning. Also because they have touchable, structured surfaces. "You have to touch these pictures, otherwise they don't speak," he explains. In fact, the density of the image only becomes apparent when you run your hand over the surface. Structure and color then merge into a symbiosis, the principle of duality that James pursues with his “sculptures” becomes understandable. Interchangeability and contradiction - for Simon James this is synonymous with “balance”. Rusty brown and blue are in a harmonious relationship in his “picture” Equalibrium.

No color seems to be overweight, no contrast disturbs. Consistent harmony and broad flatness characterize the "picture". Surprise, that is another element that Simon James works with. Nothing is predictable when sanding the different layers. “I cannot plan structures or shapes in advance. The image is created during the work process. If I like the surface, the shape, I leave it there, I don't like it, I keep grinding until I feel like it's a good thing, ”explains James.

The color white is his main color - and so it is no wonder that he has polished an image entirely in white. The surface reflects light from the outside and also colors. The green tree in front of the window also transports the color onto the white picture. Schemes emerge, reflections - the picture speaks its own language, multifaceted and expressive. This is exactly what Simon James wants to achieve: pictures only live if they appear variable, their own sensations combine with the requirements of color, shape and space. With the "sculptures" by Simon James this works - but only if you take the time to trace the soul life of the pictures.